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Mit welchen Erwartungen und Anforderungen sehen sich Studierende im
Hochschulalltag konfrontiert? Wie muss nach Ansicht der Studierenden
gehandelt werden, um das Studium "erfolgreich" zu
bewältigen? Wie laufen die Auswahl unterschiedlicher
Lernaktivitäten im Studium sowie die Allokation von Ressourcen
im Detail ab? Diese und weitere Fragen sind vor allem im
Zusammenhang mit der Debatte um die Bologna-Reform stärker in
den Mittelpunkt gerückt. Denn während modularisierte
Curricula und Credit-Point-Systeme oft nach
administrativ-organisatorischen Gesichtspunkten eingeführt
wurden, hat die Gestaltung der Studienstrukturen auf Programmebene
zwangsweise Auswirkungen auf das Studienhandeln - und damit auch auf
das Lernen der Studierenden. Es gibt viele Vermutungen über die
"Wirkungen" von Bologna auf das Studieren: Die Rede ist
von Verschulung, Entwissenschaftlichung und Arbeitsüberlastung
und Studierende stehen im Verdacht, ihren Studienpfad eher im Sinne
einer Credit-Point-Jagd denn interessengeleitet zu gestalten. In der
Regel bleibt es dabei jedoch bei anekdotischen Beobachtungen - es
fehlt bislang an gesicherten Erkenntnissen über
Zusammenhänge zwischen Bologna-konformen Studienkontexten und
dem Handeln Studierender. Denn obschon Studierende seit langem
Gegenstand der Forschung sind, ist bislang wenig darüber
bekannt, wie sie den langfristigen Bildungsprozess eines ganzen
Studiums gestalten. Stattdessen wurde vorwiegend das Lernen im
engeren Sinne, das so genannte "Classroom Learning"
untersucht. Diejenigen, die Studienprogramme nach didaktischen Gesichtspunkten gestalten wollen müssen wissen, wie Studierende mit unterschiedlichen Studienstrukturen umgehen. Denn nur so ist eine planvolle Programmgestaltung im Sinne pädagogischer Zielsetzungen und didaktischer Prinzipien möglich. Die vorliegende Arbeit nimmt diese Problemstellung auf und untersucht, welche Zielvorstellungen und Handlungsstrategien Studierende bei der Bewältigung ihres Studienalltags in unterschiedlichen Bologna-konformen Studienprogrammen entwickeln. Im Einzelnen wird gefragt, (1) welche Vorstellungen, Wahrnehmungen und Handlungslogiken das Handeln Studierender in unterschiedlichen Studienprogrammen prägen und (2) welche programmspezifischen Kontextbedingungen die Herausbildung dieser handlungsleitenden Charakteristika beeinflussen. Ausgehend von diesen beiden Fragestellungen wird zunächst ein theoretisch fundierter Analyserahmen für Studienprogramme entwickelt. Darauf aufbauend werden verschiedene Studienprogramme empirisch untersucht, um schliesslich Design-Prinzipien für die Gestaltung von Studienprogrammen zu formulieren. Es wird nicht davon ausgegangen, dass Studienstrukturen das Handeln Studierender im Sinne eines kausalen Wirkungszusammenhangs bestimmen. Vielmehr wird gefragt, was die Studierenden mit den Strukturen, auf die sie treffen, machen. Studienprogramme werden als kulturelle Einheiten verstanden, innerhalb derer sich spezifische handlungsleitende Vorstellungen und Normen entwickeln. Diese impliziten Regeln des Studienhandelns - das so genannte "Hidden Curriculum" - und vor allem auch die dahinterliegenden Konstruktionsprozesse aufzudecken, ist Ziel dieser Arbeit. |
| tipo | dissertazione (Deutsch) |
| parole chiave |
Studierverhalten; Hochschuldidaktik; Lernpsychologie; Kulturpsychologie; Bologna-Prozess; Curriculumentwicklung; Hochschulbildung; Study programme; Bologna-process; educational development; cultural psychology; higher education; curriculum development |
| university | St. Gallen |
| perito | Prof. Dr. Dieter Euler; Prof. Dr. Gabi Reinmann |
| Editore | Universität St. Gallen (St. Gallen) |
| data di apparenza | 2011 |
| profile area | SHSS - Kulturen, Institutionen, Märkte (KIM) |
| citation | Jenert, T. (2011). Studienprogramme als didaktische Gestaltungs- und Untersuchungseinheit : Theoretische Grundlegung und empirische Analyse, St. Gallen, Thesis. St. Gallen: Universität St. Gallen. |