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Wettbewerb als Gerechtigkeitskonzept

abstract Das Habilitationsprojekt von Ulrich Thielemann setzt folgendermassen an: Einerseits wird Wettbewerb nicht nur von Ökonomen, sondern auch von der breiten Bevölkerung als eine ethisch vorzugswürdige und insofern als eine gerechte soziale Praxis betrachtet. Wettbewerb heisst in diesem weit geteilten Verständnis nicht nur: Sicherung des Wohlstandes und wirtschaftliches Wachstum, sondern auch: Verhinderung von "Partikularinteressen", Förderung des "Allgemeinwohls", Abwesenheit von "Diskriminierung" und "Ausbeutung", "Neutralisierung" von Marktmacht, Abwesenheit von "Willkür", "Fairness", Gleichbehandlung aller, "Chancen" für die Armen und insofern "Chancengleichheit". "Monopol", "Kartell" sind ebenso wie "Protektionismus" Schimpfwörter. Wettbewerb ist gerecht, Wettbewerbsbeschränkungen sind ungerecht. Auch wenn diese Zuschreibungen wohl nicht von allen gleichermassen geteilt werden und eher spontan geäussert als begründet vertreten werden, so gehen Ökonomen ebenso wie die Mehrzahl der Bürger, weitgehend unabhängig von ihrer poliltischer Richtung, doch ganz selbstverständlich davon aus, dass die Verhinderung von "Wettbewerbsbeschränkungen" und die Beseitigung von "Wettbewerbsverzerrungen" eine moralische Pflicht der Politik ist, die von der Wettbewerbspolitik zu bewältigen sei.

Andererseits nehmen in Zeiten der "Globalisierung", also der Intensivierung des Wettbewerbs auf Weltniveau, des "Strukturwandels", der über uns komme wie das Wetter, und der Herrschaft des Shareholder-Value-Denkens die kritischen Stimmen gegebenüber dem Prinzip Wettbewerb zu - sei es implizit oder, eher selten, explizit. Es handelt sich hierbei stets im Voten gegen eine Zuviel an Wettbewerb, gegen die Ausweitung des "Prinzips Wettbewerb" auf alle Lebensbereiche, gegen die Auffassung, Wettbewerb sei prinzipiell gerecht - und darum, so wäre zu folgern, um Voten für "Monopole", "Partikularinteressen", "Diskriminierung" usw.?

Wie sind beide Positionen zusammenzubringen? Wie jedenfalls sind die berechtigten Momente beider gegensätzlichen Sichtweisen zusammenzubringen? Ist Wettbewerb nun Inbegriff von Fairness und insofern Definitionsmerkmal einer gerechten Gesellschaft, oder gilt hier nicht das Recht des Stärkeren? Dazu ist zunächst zu fragen, was denn Wettbewerb, systematisch betrachtet, ist. Sodann sind seine ethischen Eigenschaften - im Guten wie im Schlechten - aufzudecken. Das Projekt unternimmt den Versuch der normativ-ethischen Rekonstruktion verschiedener wettbewerbstheoretischer bzw. -politischer Konzeptionen, um so eine wirtschaftsethisch tragfähige und - hoffentlich - differenziertere Position gegenüber dem Phänomen Wettbewerb zu gewinnen, die, im Gegensatz zur Stossrichtung der überwältigenden Mehrheit der Ökonomen, nicht a priori zugunsten wettbewerblicher Formen der sozialen Handlungskoordination argumentiert.
   
keywords Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik, Wirtschaftsethik, Wertfreiheit, Wettbewerbsethik
   
partner
type habilitation project
status completed
start of project 2005
end of project 2009
additional informations Thielemann, U.: Wettbewerb als Gerechtigkeitskonzept. Kritik des Neoliberalismus, Marburg 2010, Metropolis Verlag (im Erscheinen).
topics Vgl. Kurzfassung
methods Reflexion
contact Heiko Spitzeck