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Arbeitsverweigerung (tunejadstvo) in der Sowjetunion 1961-1991

Kurzfassung Im Jahr 1961, auf dem Höhepunkt der Entstalinisierung, wurde Art. 209 („Tunejadstvo“) „Über die Verschärfung des Kampfes gegen Personen (Schmarotzer, Nichtstuer und Parasiten), die gesellschaftlich nützliche Arbeit verweigern und eine asoziale, parasitäre Lebensweise führen“ in das sowjetische Strafgesetzbuch aufgenommen. Das vorliegende Forschungsprojekt will das Phänomen Arbeitsverweigerung (tunejadstvo) erstmals aus einer kulturhistorischen Perspektive untersuchen. In der Anwendung der Gesetze gegen die Arbeitsverweigerung spiegelt sich die „Gouvernementalität“ (Foucault) des „entwickelten Sozialismus“, der sich durch eine zwischen Liberalisierung und Repression schwankende Kontrolle des individuellen Verhaltens auszeichnete. Das Projekt baut auf den Ergebnissen interdisziplinärer Untersuchungen zur sowjetischen Alltagskultur auf. Ausgewertet wird vor allem folgendes Quellenmaterial: 1. Gerichtsurteile, juristische Kommentare sowie Urteilstatistiken 2. literarische und publizistische Texte sowie Kinofilme 3. Ego-Dokumente, Memoiren und Interviews.
Das Projekt zielt auf eine differenzierte Diskursanalyse der poststalinistischen Arbeitsethik, die ein zentrales ideologisches Moment der spätsowjetischen Regelkultur bildet. Die zu erwartenden Erkenntnisse werden das traditionelle Bild einer stagnierenden sowjetischen Gesellschaft in den Jahren 1961 bis 1991 erweitern und korrigieren: Das Erkenntnisinteresse richtet sich auf Grenzen und Möglichkeiten individueller Lebensstile in einer ideologisch hypertrophierten Kultur.
   
Schlagwörter (Tags) Arbeitsverweigerung, Sowjetunion, Justiz, Kulturgeschichte des Rechts
   
Partner
Typ Dissertationsprojekt
Status laufend
Projektstart 2009
Projektende 2012
Weitere Informationen
Themen Arbeitsverweigerung, Justiz, Sowjetunion, Kulturgeschichte des Rechts
Methoden Diskursanalyse
Profilbereich SHSS - Kulturen, Institutionen, Märkte (KIM)
Kontakt Ulrich Schmid