Demokratische Gesellschaft und ökologischer Sachverstand: Kann die Demokratie die ökologische Krise bewältigen, oder brauchen wir eine "Ökodiktatur"?
Type
working paper
Date Issued
1991-01-01
Author(s)
Linke, Manfred
Abstract (De)
Politiker reden vor ihrer demokratischen Wahl oft anders, als sie nachher im Amt handeln. Sie scheuen sich, unpopuläre Massnahmen zu ergreifen, weil sie um ihre Wiederwahlchancen fürchten. Sie orientieren sich weniger daran, was sachlich dringlich ist, sondern eher daran, was ihnen ihr Amt sichert. All dies erschwert es, mit demokratischen Mitteln einen Ausweg aus der ökologischen Krise zu suchen. Individuelle Verhaltensänderungen allein bringen wegen der free rider-Problematik um das öffentliche Gut "Gesunde Umwelt" zu wenig. Das Regime einer Ökodiktatur ist keine Lösung, da bei seiner Errichtung mit grosser Wahrscheinlichkeit das zerstört würde, was es zu bewahren gilt: ein überlebensfähiges ökologisches System. Falls eine Ökodiktatur überhaupt durchgesetzt werden könnte, müsste sie die Öffentlichkeit einer totalen Kontrolle unterwerfen und schliesslich daran scheitern, weil sie damit die Fähigkeit verlöre, Probleme überhaupt zu erkennen. Um die ökologische Krise vielleicht noch bewältigen zu können, müssen es die staatlichen Verfahren ermöglichen, dass rasch gehandelt werden kann, was eine Verwesentlichung der (Schweizer) Demokratie, mehr Kompetenzen für die staatlichen Organe erfordert. Darüber hinaus müssen die staatlichen Verfahren so geregelt werden, dass auch unpopuläre Massnahmen ergriffen werden, was durch einen generellen Ausschluss der Wiederwahl von Politikern erleichtert würde. Die Meinungsäusserungsfreiheit ist von entscheidender Bedeutung für die Fähigkeit zur gesellschaftlichen Problemerkenntnis. Eine möglichst herrschaftsfreie Kommunikation unter allen Betroffenen soll dazu dienen, die unvermeidlichen Machtpositionen zu legitimieren.
Language
German
HSG Classification
contribution to scientific community
Refereed
No
Subject(s)
Eprints ID
17529