Die Spur des Barbaren. Annäherung an den Barbaren als logozentristische Kategorie.
ISBN
978-3-86809-121-2
Type
book section
Date Issued
2018
Author(s)
Editor(s)
Tidona, Giovanni
Abstract (De)
Leire Urricelqui macht im kulturologischen und politisch-philosophischen Rahmen von der Begriffsgeschichte des Barbaren oder genauer des Barbarophonen Gebrauch und bewegt sich somit diesseits der Problematik des Fremden als Xenos. Ihr Anliegen ist die Figur des Fremden als Barbaren. Diesbezüglich ist nicht mal von Anerkennung der Fremdheit die Rede, denn dem Barbaren wird jeglicher Status des „mit Logos Ausgestatteten“ überhaupt abgesprochen. Auf noch radikalere Art und Weise könnte sogar behauptet werden, dass sich an der Figur des Barbaren gerade diejenige Verflechtung von Ort und Sprache verschlägt, die den Einheimischen auszeichnet und deren Fehlen den Barbaren zu einem Illogalen, so lautet das geglückte Wortspiel Urricelquis, macht: „So erscheint der Barbar als Gegensatz zum Wahren, Echten, Autochtonen, Ursprünglichen. Und das ist genau das Griechische: Die Identität, die sich als das Einzige und gegen alle Anderen darstellt“. Wie Urricelqui darauf hinweist, ist der Barbar jedoch nicht nur eine konkrete, geschichtlich-soziopolitische Figur. Der „Barbar“ sei vielmehr dazu veranlagt, zur anachronischen sprich universalen Chiffre der Unterdrückung und des logisch-politischen Ausschlusses zu gelten. Ein derart aufgefasster Barbar könnte aus diesem Grund auch neue, heutige Formen der Illogalität verkörpern, wenn man darin die fehlende Logos- (als Sprache und zugleich Vernunft verstanden) und Ortszuweisung sieht. Das Örtliche spielt beim Phänomen der Illogalität -die sich somit im Spannungsfeld von Ort, Sprache und Gesetz, also tief in der Schmittschen Ortung/Ordnung abspielt– eine große Rolle. „Ort“ soll jedoch vom Platz unterschieden werden: „Der Barbar ist ,außerhalb x‘. Das ,x‘ dieser Funktion hat vielfältige Varianten, die genau vom Text abhängen. Diese Funktion bildet den Barbaren als eine Figur heraus, die sich immer außerhalb dieser Sprache befindet. Er befindet sich an einem Platz, ist jedoch außerhalb des Ortes. Er gehört zu einem Genos, der keinen Ort hat (er ist der nicht Bleibende und der nicht Wohnende). Und nur derjenige, der Statt findet, findet statt [. . .] Und nur derjenige, der Ort hat, hat das Wort. Es ist die Zugehörigkeit zum Ort, dem eigenen Ort, die die Wahrheit des Logos und ihre Wirksamkeit bewilligt. Und (d)ort zu sagen, ist nur von hier aus möglich. Nur von hier aus wird die Differenz markiert, oder anders gesagt, wird die Grenze gezogen“. Sollte dem so sein, dass der Barbar zur anachronischen Chiffre wird, fällt es einem nicht schwer, sich die möglichen, heutigen Aufarbeitungen des Barbaren sprich der Menschengruppen vorzustellen, denen Sprache, Ortbesitznahme und schließlich Legalität (insgesamt Logalität) aus politischen Gründen abgesprochen wird. Solche politisch-ontologische Absprache ist möglicherweise zur Konstitution „unserer“ Identität sogar notwendig. Urricelqui weist nämlich darauf hin, „dass der Terminus ,Barbar‘ nicht allein erscheinen kann, sondern erst dann, wenn die Griechen auch über einen Terminus verfügen, um sich selbst zu benennen. Eine Interdependenz zwischen den Barbaren und den Griechen ist bestätigt: Es gibt keinen Barbaren ohne Hellenen, und umgekehrt“. Und da der Barbar ein vager Begriff ist, der „keine Unterschiede innerhalb der Pluralität markiert“ (auf ähnliche Art und Weise wie „Nicht-Römer“, der zahlreiche heterogene Bevölkerung benennt, ohne sie jedoch voneinander zu unterscheiden), besteht wohl der Verdacht, dass das Gleiche auch für sein Pendant gelten könnte. Selbst das Identitätskonzept, das sich aus einer Oppositionslogik herauskonstituiert, birgt Gefahren der monolithischen Ununterscheidbarkeit.
Language
German
Book title
Fremdheit. Xenologische Ansätze und ihre Relevanz für die Bildungsfrage.
Publisher
Mattes Verlag
Publisher place
Heidelberg
Division(s)
File(s)![Thumbnail Image]()
Name
PH61.pdf
Size
203.69 KB
Format
Adobe PDF
Checksum (MD5)
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