Die kommunikative Erschließung der Lebenswelt eines Aphasikers: Eine Kombination von lebensweltanalytischer Ethnographie und phänomenologischer Hermeneutik
ISBN
978-3-910869-15-8
Type
book section
Date Issued
2025
Author(s)
Editor(s)
Poferl, Angelika
Eisewicht, Paul
Ronald Hitzler
Kirchner, Babette
Julia Wustmann
Norbert Schröer
Abstract (De)
Die von Anne Honer begründete und von Ronald Hitzler, Michaela Pfadenhauer und Paul Eisewicht weiterentwickelte lebensweltanalytische Ethnographie zeichnet sich dadurch aus, dass ein Feld nicht nur beobachtet wird, sondern dass die Forschenden auch partizipativ am Geschehen teilnehmen und die eigenen, persönlichen Erfahrungen im Feld als wichtige Datenressource behandelt wird. Dieser Ansatz ist für Forschende dann besonders geeignet und attraktiv, wenn sie ein persönliches Interesse an der Partizipation in dem zu erforschenden Feld haben, zum Beispiel am Mittanzen und Mitfeiern an einem Rave oder am Mitpraktizieren besonderer sexueller Praktiken in speziellen Szenen. Wenn es jedoch um die Erforschung von Lebenswelten hirngeschädigter Menschen geht, empfiehlt sich eher der einfühlend-verstehende Zugang einer phänomenologischen Hermeneutik, wie sie von Thomas S. Eberle propagiert wird, denn welcher Forschende möchte sich schon freiwillig eine Hirnschädigung zuziehen, nur um einschlägige persönliche Erfahrungen als Daten beisteuern zu können?
Im vorliegenden Fall kombinieren wir die beiden Ansätze. Ein unfreiwillig von einer (anamnestischen) Aphasie betroffener Forscher versucht, seine Erfahrungswelt verbal zu beschreiben, während ein phänomenologischer Hermeneut ihn dabei nachhaltig unterstützt. Schritt für Schritt wird die Lebenswelt – oder werden Aspekte der Lebenswelt – eines Aphasikers kommunikativ erschlossen und dokumentiert. Auf die Perspektivendifferenz müssen die beiden Forschenden nicht aufmerksam gemacht werden, sie verschwindet im vorliegenden Fall nicht hinter einer Idealisierung der Reziprozität der Perspektiven, vielmehr ist die Inkongruenz der Perspektiven konstitutiv: Verständigung wie Verstehensprozesse müssen mühsam und sorgfältig erarbeitet werden.
In unserem Beitrag stellen wir einige Aspekte der Lebenswelt eines Aphasikers dar. Als Daten verfügen wir über stundenlange, interviewähnliche Gespräche, die zwischen den beiden Referenten über einen längeren Zeitraum geführt wurden. Zudem existieren auch einige Textpassagen, die der von Aphasie betroffene Forscher selbst formuliert hat. Des Weiteren beziehen wir auch einige Beobachtungen und Erfahrungen anderer Personen mit ein, die ihn gut kennen. Damit fließt eine beträchtliche Perspektivenvielfalt mit ein. Der Hauptfokus wird aber auf die Perspektive des von Aphasie Betroffenen gelegt, der phänomenologische Hermeneut versucht mit ihm gemeinsam seine Lebenswelt zu erschließen. Die Perspektivendifferenz der beiden wie auch der weiteren involvierten Personen wird methodisch wie methodologisch reflektiert.
Im vorliegenden Fall kombinieren wir die beiden Ansätze. Ein unfreiwillig von einer (anamnestischen) Aphasie betroffener Forscher versucht, seine Erfahrungswelt verbal zu beschreiben, während ein phänomenologischer Hermeneut ihn dabei nachhaltig unterstützt. Schritt für Schritt wird die Lebenswelt – oder werden Aspekte der Lebenswelt – eines Aphasikers kommunikativ erschlossen und dokumentiert. Auf die Perspektivendifferenz müssen die beiden Forschenden nicht aufmerksam gemacht werden, sie verschwindet im vorliegenden Fall nicht hinter einer Idealisierung der Reziprozität der Perspektiven, vielmehr ist die Inkongruenz der Perspektiven konstitutiv: Verständigung wie Verstehensprozesse müssen mühsam und sorgfältig erarbeitet werden.
In unserem Beitrag stellen wir einige Aspekte der Lebenswelt eines Aphasikers dar. Als Daten verfügen wir über stundenlange, interviewähnliche Gespräche, die zwischen den beiden Referenten über einen längeren Zeitraum geführt wurden. Zudem existieren auch einige Textpassagen, die der von Aphasie betroffene Forscher selbst formuliert hat. Des Weiteren beziehen wir auch einige Beobachtungen und Erfahrungen anderer Personen mit ein, die ihn gut kennen. Damit fließt eine beträchtliche Perspektivenvielfalt mit ein. Der Hauptfokus wird aber auf die Perspektive des von Aphasie Betroffenen gelegt, der phänomenologische Hermeneut versucht mit ihm gemeinsam seine Lebenswelt zu erschließen. Die Perspektivendifferenz der beiden wie auch der weiteren involvierten Personen wird methodisch wie methodologisch reflektiert.
Funding(s)
no
Language
German
Keywords
Lebensweltanalytische Ethnographie
Phänomenologische Hermeneutik
Lebenswelt
Aphasie
Qualitative Sozialforschung
HSG Classification
contribution to scientific community
Book title
Perspektivendifferenz. Zur Ethnographie kommunikativen Handelns
Publisher
OLDIB Verlag
Publisher place
Essen
Start page
420
End page
432
Pages
13
Official URL
Subject(s)
Division(s)