Immer mehr Schweizer reisen nicht immer mehr - erste Ergebnisse aus dem Reisemarkt Schweiz 1998
Journal
IDT-Blickpunkte
Type
newspaper article
Date Issued
1999-08-01
Author(s)
Abstract (De)
Der Reisemarkt 1998 liegt seit kurzer Zeit in 14. Auflage vor. Er knüpft an eine seit den siebziger Jahren laufende periodische Untersuchung zum Reiseverhalten der Schweizer und assimilierten Ausländer an. Anders als in früheren Jahren besteht jedoch nicht mehr ein Bericht, sondern die wohl umfangreichste Datenbank dieser Art in unserem Land. Eigene institutsinterne Auswertungen, welche noch über die nächsten Monate andauern werden, haben bereits erste Resultate ergeben. Die konjunkturelle Delle von Mitte der 90er Jahre scheint überwunden. Während dannzumal (als absoluter Tiefstand) "nur" 75% der Schweizer Bevölkerung am Reiseverkehr mit 3 und mehr Übernachtungen teilnahmen, waren es letztes Jahr knapp 80%. Der Höchststand von 1990 und 1992 (83%) konnte jedoch (noch) nicht erreicht werden. Anders bei einer Betrachtung aller Reisen ab 1 Übernachtung: Knapp 85% aller Personen haben letztes Jahr mindestens einmal ausserhalb übernachtet. Der Trend zur Verkürzung der Reisdauer hält ungebrochen an. Dass Zeit offenbar immer knapper zu werden scheint, zeigt sich auch in der Tatsache, dass diejenigen, welche am Reiseverkehr teilnehmen, weniger oft als früher reisen. Weiter ist der Anteil derjenigen Personen, welche mehr als einmal verreisen, weiter leicht am sinken. Die Reiseintensität variiert stark nach Herkunft (Region) oder auch Beruf der Personen. Einwohner aus den 5 Grossagglomerationen (Zürich, Basel, Bern, Lausanne, Genève) sind immer noch diejenigen, welche am meisten reisen (266 Reisen pro 100 Einwohner). Bei Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohner sind es dagegen nur 173 aus 100. Am meisten (Nettoreiseintensität über 90%) reisen weiterhin Direktoren, Mitglieder des Top Managements, Chefbeamte, Selbständige in Handel und Gewerbe sowie Personen mit freien Berufen, wogegen selbständige Landwirte die geringste Nettoreiseintensität (61%) verzeichnen. Das Stadt-Land-Gefälle ist von grösserer Bedeutung als etwa die kulturell-sprachlichen Unterschiede. Deutschschweizer Mittellandbewohner reisen etwa gleich oft und intensiv wie die Romands, wogegen Personen, welche im Alpenraum wohnen, weniger reisefreudig sind. Beliebtestes Zielgebiet ist weiterhin die Schweiz: 46% aller Reisen führen an Orte in unserem Land. Die Schweiz gewinnt dabei leicht an Marktanteilen. Der Kanton Graubünden wird hierbei mit knapp 9% aller Reisen überdurchschnittlich oft angesteuert. Nach den Nachbarländern der Schweiz führen etwa 32%, nach Südeuropa 10% aller Reisen. Beliebteste Überseedestination ist weiterhin Nord- und Zentralamerika (3.4%), allerdings mit nurmehr geringem Wachstum. Anders Australien/ Neuseeland/ Pazifik: Der Eindruck, dass diese Destination an Attraktivität gewonnen hat, täuscht nicht: 1.7% aller Reisen führten 1998 in diesen Raum - ein bislang unerreichter Anteil! Die Monate Juli/ August/ September sind des Schweizers liebste Reisezeit: 37% aller Reisen begannen 1998 in den Sommermonaten. In den anderen Monaten sind keine Peaks festzustellen mit Ausnahme im November, in welchem die geringste Zahl der Reisen angetreten wird: Im Juli (Spitzenmonat) verreisen etwa viermal mehr Personen als im November. Unter den Reisemotiven, welche im Vergleich zu früheren Umfragen gekürzt wurden, stechen insbesondere der Wunsch nach dem Naturerlebnis (75%) sowie nach Zeit mit dem Partner (60%) und der Familie (57%) hervor. Weniger reisemotivierend wirken dagegen der Wunsch, sich zu sonnen und zu baden (29%) sowie Sport zu treiben (29%). 25% aller Reisen fallen unter die Reiseart "Verwandten/ Bekanntenbesuch", 20% unter "Badeferien am Meer/ an einem See". Winterferien im Schnee und Sommerferien in den Bergen gehören mit je knapp 13% aller Reisen weiter zu den beliebtesten Reisearten. Die Organisation (Tour Operating) der meisten aller Reisen wurde auch 1998 selbst vorgenommen (64%). Die drei grossen Reiseveranstalter (Kuoni, ITV, Hotelplan) treten als Tour Operator bei etwa 10% aller Reisen auf. Die übrigen 26% verteilen sich auf eine Vielzahl weitere Veranstalter. Die wichtigste Informationsquelle für die Reisenden aus der Schweiz sind Auskünfte durch Freunde und Bekannte (für 47% sehr wichtig oder wichtig). Ebenfalls von grosser Bedeutung sind Orts- und Regionsprospekte (39%), Hotelprospekte/ Hotelführer (26%), Kataloge von Reiseveranstaltern (24%) und Reiseführer/ Bücher, Reisezeitschriften (25%). Mündliche Auskünfte durch Reisebüros und Tourist Informations liegen nur im Mittelfeld (ca. 20%; möglicherweise traut man mündlichen Auskünften weniger als "objektiven" schriftlichen Unterlagen). Interessant ist die Tatsache, dass das Internet (WWW) mit 5% praktisch gleichaufliegt wie TV-Sendungen und den Videotext (2%) bereits überrundet hat! Der Transport vom Wohn- zum Zielort erfolgt in 57% aller Reisen mit einem Motorfahrzeug, sowie in 21%(!) mit dem Flugzeug und 15% mit der Bahn. Auch am Zielort ist der PW mit 44% das beliebteste Fortbewegungsmittel, wozu auch lokale Busse gehören (22%). Zu den beliebtesten nicht-sportlichen Aktivitäten am Zielort gehören der Einkaufsbummel (53%), mit anderen Menschen Gespräche zu führen (52%). Völlig out scheinen das aktivitätslose "Herumliegen" zu sein, was nicht ausschliesst, dass gern lange geschlafen wird...(41%). Der relativ bedeutungslose Motivator "Sport" schlägt sich auch in einem verhältnismässig geringen Anteil derjenigen nieder, welche während ihrer Reise regelmässig oder häufig einer bestimmten Sportart nachgehen: Zu den beliebtesten sportlichen Aktivitäten gehören das Wandern (29%), das Baden und Schwimmen (27%) sowie der alpine Skilauf (10%). Die Schweizer sind zufriedene Reisende. Lediglich 1.2% kommen aus ihrem Schweizer Reiseort eher unzufrieden oder unzufrieden zurück; bei ausländischen Orten ist dieser Anteil mit 2.1% nahezu genau gleich. Dieser geringe Unzufriedenheitsgrad ist möglicherweise auf die wenig opportune Verhaltensweise, Reiseerfahrungen als nicht zufriedenstellend einzustufen, zurückzuführen. Der Zugang zum Reisemarkt (für Mitglieder von Schweiz Tourismus, Schweizer Hotelier-Verein und ausgewählten anderen Partnern) sowie Förderer unseres Instituts ist auf unterschiedliche Art und Weise möglich. Alternative 1: Bezug zweier Files (Haushalt, Reisen) im SPSS-Format zur selbständigen Weiterbearbeitung unter voller, zeitlich unbeschränkter Verfügung aller in der Umfrage erhobener Daten in der eigenen Unternehmung oder Institution (Lizenzträger ist stets die Geschäftsstelle). Das Copyright von Daten liegt beim IDT-HSG. Preis: CHF 7"500 exkl. Software (CHF 2'500); Schulung pro Tag: CHF 1'000. Alternative 2: Kundengerechte Zusammenstellung von Daten auf Papier auf Anfrage hin. Preis: CHF 500 (Inskriptionsgebühr) + CHF 100-250 pro Tabelle (einfache Tabellen: CHF 100, Tabellen mit hohem Aggregationsgrad: CHF 250). Genaue Auskunft sowie nähere Informationen erhalten Sie bei Dr. Christian Laesser.
Language
German
HSG Classification
contribution to scientific community
Refereed
No
Publisher
IDT
Publisher place
St. Gallen
Number
1
Start page
4
End page
5
Pages
2
Subject(s)
Division(s)
Eprints ID
14173