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Details

Bergbahnen am Scheideweg

Type
newspaper article
Date Issued
1999-01-01
Author(s)
Baumgartner, Danielle
Abstract (De)
Die Entwicklungstendenzen im Bergbahnmarkt Schweiz weisen deutlich auf eine kritische finanzielle Lage vor allem bei kleineren und mittleren Betrieben hin. Oft wird die öffentliche Hand zum Retter in der Not - es lauert die Gefahr einer eigentlichen "Verstaatlichung" der Unternehmen. Unter dem Titel "Subventionsmoloch Bergbahnen?" wurde am 4. Mai 1999 an der Universität St. Gallen eine von unserem Institut organisierte öffentliche Veranstaltung durchgeführt. Vertreter von Banken, der öffentlichen Hand, der Bergbahnen und Unternehmensberater diskutierten die Zukunft der schweizerischen Bergbahnen. Unter den Podiumsteilnehmern herrschte Einigkeit im Bezug auf die von Prof. Dr. Th. Bieger dargestellten verschärften finanziellen Bedingungen besonders für Klein- und Mittelbetriebe. Jedoch vertrat Herr Dr. Riet Theus, Unternehmensberater für Touristik und Transport, klar die Meinung, dass die öffentliche Hand nur in wenigen Ausnahmen, z.B. aufgrund gewichtigen regional- oder volkswirtschaftlichen Überlegungen, den Betrieben unter die Arme greifen sollte, da dies sonst nur zu Wettbewerbsverzerrungen führe. Der Vertreter des Kantons Waadt, Herr Vincent Krayenbühl, erläuterte die Grundlagen für die verhältnismässig grossen öffentlichen Beiträge des Kantons an seine Bergbahnen in den letzten Jahren. Der Kanton sehe es als seine Verpflichtung, das Überleben der Bergregionen zu sichern und die Abwanderung zu vermeiden. Von Seite der Banken besteht gemäss A. Geiger (CS) nach wie vor die Möglichkeit für Bergbahnen, Kredite zu erhalten. Unerlässlich sei jedoch heute ein visionärer Ansatz, der sich in einem ausgereiften Business Plan niederschlägt, eine gewisse Grösse des Unternehmens, ein professionelles Management und Eigenkapitalvoraussetzungen von 50%. Hohe Anforderungen, wenn man bedenkt, dass - gemäss Podiumsteilnehmer Dr. Peter Müller, Vizedirektor des Schweizerischen Seilbahnverbandes - von den rund 2500 Seilbahnunternehmen in der Schweiz ca. 1100 reine Skiliftunternehmen, d.h. kleinere Betriebe sind und ca. 80% der Unternehmen weniger als Fr. 1 Mio. Umsatz pro Jahr erzielen. Eine Umfrage des Instituts für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus über die Erfahrungen und Wirkungen von staatlichen Beiträgen über das Investionshilfegesetz (Bundesgesetz) hat ergeben, dass staatliche Beiträge nur in wenigen Fällen dazu geführt haben, dass Betriebe nachher in der Lage waren, sich auch längerfristig ohne öffentliche Hilfe zu finanzieren. Spätestens bei der nächsten Erneuerung der Anlage stellt sich für das Unternehmen wieder die gleiche Problemstellung und damit auch für die öffentliche Hand. Das Podium stellte sich die grundsätzliche Frage, ob eine Bergbahn als Basisinfrastruktur betrachtet werden und somit das Management des Betriebes politisch dominiert und die Finanzierung öffentlich abgesichert sein soll, oder ob man Bergbahnen in einem neuen Kontext als ein professionelles, nach marktwirtschaftlichen Kriterien geführtes Freizeitunternehmen betrachten soll, das den Kunden und seine Bedürfnisse ins Zentrum stellt. Es wurde klar darauf hingewiesen, dass die grösseren Betriebe oder mehr oder weniger lose Zusammenschlüsse von Betrieben zu Netzwerken bessere langfristige Überlebenschancen haben. Es gehe um die Optimierung dieser Netzwerke, klare Kriterien für die Beurteilung von öffentlichen Subventionen, eine klare Stellungnahme zur Frage: Sind Bergbahnen ein Teil der öffentlichen Basisinfrastruktur oder private Freizeitunternehmen und nicht zuletzt den Mut, auch einmal einen Betrieb zu schliessen.
Language
German
HSG Classification
contribution to scientific community
Refereed
No
URL
https://www.alexandria.unisg.ch/handle/20.500.14171/59940
Subject(s)

other research area

Eprints ID
14169
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