Ein steiniger Weg - Verwaltungsreform in der Europäischen Kommission: Gute Ansätze, zähe Durchführung
Type
newspaper article
Date Issued
1999-01-01
Author(s)
Liem, Susan
Abstract (De)
16. März 1999: Die Europäische Kommission unter ihrem Präsidenten Jacques Santer tritt geschlossen zurück. Missmanagement und mangelndes Verantwortungsgefühl werden ihr vorgeworfen. Gleichwohl war nicht erst dieser Vorfall der Startschuss für eine Verwaltungsreform. Santers Kommission war vielmehr die erste, die bereits interne Reformen ganz oben auf ihre Agenda gesetzt hatte - ohne dass sie das vom Rücktritt verschonte. Die Reformbedürftigkeit des Brüsseler Verwaltungsapparates wurde nie bezweifelt: Die Kommission selbst attestierte sich eine schwerfällige Hierarchie und einen Mangel an interner Kommunikation. Chirac bemerkte treffend, es sei schwierig genug, mit 15 Mitgliedsstaaten Institutionen zu nutzen, die für sechs geschaffen worden seien. Mit der bevorstehenden Osterweiterung wird die EU daher auch in bezug auf ihre Verwaltung noch grosse Aufgaben zu meistern haben. Im April 1998 wurde ein Reformprojekt mit dem klangvollen Namen "Designing Tomorrow's Commission" lanciert. Es soll klare politische Prioritäten für die Kommission setzen und ihre Rolle in der EU bestimmen, ihre Organisationsstruktur gemäss dieser Politiken anpassen und ihr internes Management vereinfachen. Teile des Projektes sind zwei bereits 1995 bzw. 1997 gestartete Reformprogramme: SEM 2000 ("Sound and Efficient Management") befasst sich vorwiegend mit Finanz- und Kontrollfragen, MAP 2000 ("Modernisation of Administration and Personnel") baut darauf auf und dezentralisiert die Verwaltung. Verantwortung wird einerseits nach unten delegiert, andererseits überträgt die Generaldirektion Personal und Verwaltung (GDIX) den übrigen Direktionen Kompetenzen und Ressourcenverantwortung. Vorher verwaltete sie sogar die Urlaubsplanung zentral, obwohl die einzelnen GDs viel genauer informiert waren! Auch die Hauspost war zentral organisiert, so dass jedes Büro, ob notwendig oder nicht, fünf Mal pro Tag Post bekam. Das Personal soll nun effizienter eingesetzt und mit verschiedenen Aufgaben betraut werden. MAP 2000 soll zudem Verwaltungsabläufe vereinfachen, wo nötig ganz ausschalten, und die Personalentwicklung fördern. Langfristig plant man sogar die Einführung von Globalbudgets ("activity based budgeting", ABB) und ergebnisorientierter Information für das Budget. Leider gilt es bei den meisten Reformen, Widerstände zu überwinden. ABB soll frühestens 2001 angewendet werden; es ist nicht leicht, objektive Indikatoren zur Leistungsmessung zu finden, oder die traditionelle Haltung einiger Führungskräfte zu beeinflussen: Viele sehen sich nicht als Manager mit leistungsabhängigem Erfolg und bevorzugen feste Karrierepläne. Ein rigider Beamtenkodex und das gespannte Verhältnis zu den Gewerkschaften verhindern Vorhaben wie die Einführung von Anreizsystemen. Reformen werden eher als Bedrohung denn als Chance wahrgenommen, selbst wenn sie zu Verbesserungen der Arbeitssituation führen (die Hauspostreform führte z.B. zu Streiks). Ein wunder Punkt ist die Kommunikation der Reformen an die Mitarbeiter, die manchmal nur durch ihre Gewerkschaften informiert sind. Auch ein gemeinsames Wertesystem im Sinne einer "Vision" des Reformprojektes fehlt weitgehend, und es herrscht ein ausgeprägtes Bereichsdenken vor. Gründe dafür liegen u.a. in der bunten Vielfalt der Kommission und in ihrer Grösse (rd. 20 000 Angestellte!). Diese Vielfalt fördert aber auch die Eigeninitiative einiger Generaldirektionen, die z.B. internes Benchmarking und Projektevaluationen einführten. Das Wissen solcher "best practices" ist zwar auf dem Intranet der Kommission allen zugänglich, seine Übertragung bleibt aber schwierig, da die Reformbereitschaft stark variiert. So bemüht sich die Kommission in einem "sozialen Dialog" um den Einbezug aller Beteiligten und die Nutzung des Ideenreichtums. Sollte ihr gelingen, die interne Akzeptanz zu erhöhen, wäre sie auf ihrem langen Reformweg ein gutes Stück weiter. Susan Liem, Studentin. Untersuchte das Thema im Rahmen ihrer Diplomarbeit
Language
German
HSG Classification
contribution to scientific community
Refereed
No
Publisher
IDT
Subject(s)
Eprints ID
13286