Die Systemtransformation in Indien unter Berücksichtigung ordnungspolitischer und soziokultureller Faktoren
Type
working paper
Date Issued
1994-01-01
Author(s)
vonHauff, Michael
;
Kruse, Beate
;
deHaan, Arjaan
Abstract (De)
Alle Volkswirtschaften zeichnen sich durch einen mehr oder weniger intensiven Strukturwandel aus. Der Strukturwandel lässt sich sowohl in marktwirtschaftlichen Systemen als auch in planwirtschaftlichen Systemen beobachten. In marktwirtschaftlichen Systemen ist er jedoch besonders offensichtlich. Hier kann der Strukturwandel autonom durch die Marktdynamik induziert sein (autonomer Strukturwandel) und/oder durch strukturpolitische Eingriffe des Staates ausgelöst werden (induzierter Strukturwandel). Vom Strukturwandel als Änderungsprozess in der Konsum- und Produktionsstruktur sind Transformationsprozesse bzw. transitorische Prozesse zu unterscheiden, die zu einer Veränderung des Wirtschaftssystems und der Wirtschaftsordnung führen. Grundsätzlich sind zwei Alternativen denkbar: die Transformation von einem (mehr) planwirtschaftlich zu einem (stärker) marktwirtschaftlichen System und vice versa. Die indische Volkswirtschaft ist in einer spezifischen Situation. Sie befindet sich gegenwärtig in einem Wandel, der einerseits durch den selbst angestrebten Liberalisierungskurs und andererseits durch das Strukturanpassungsprogramm der Weltbank massgeblich beeinflusst wird. Sowohl der Liberalisierungskurs als auch die Strukturanpassung basieren auf dem Paradigma "mehr Markt und weniger Staat" und sind insofern als Strategien bzw. Konzepte zur Realisierung eines Transformationsprozesses einzuordnen. Sozio-kulturelle Belange bzw. Konfliktpotentiale werden in diesem Zusammenhang als zentrale Einflussfaktoren auf den Verlauf dieses Transformationsprozesses weitgehend vernachlässigt. Wie gezeigt werden kann, stimmt die Zielrichtung des wirtschaftspolitischen Liberalisierungskurses und des Strukturanpassungsprogrammes weitgehend überein, so dass die beiden Reformprogramme sich durch einen hohen Komplementaritätsgrad auszeichnen. Die sozio-kulturellen Faktoren erhalten hier eine besondere Bedeutung, da sie sowohl wichtige Ausgangsbedingungen für den von oben eingeleiteten Transformationsprozess darstellen, als auch selbst durch diesen Prozess wesentlich beeinflusst werden. Die sozio-kulturellen Faktoren haben sich immer wieder in den politischen und wirtschaftspolitischen Entscheidungen der indischen Regierung niedergeschlagen, und somit wurden sie in ordnungspolitische Faktoren transformiert. Die zahlreichen sozio-kulturell bedingten Konfliktpotentiale haben häufig dazu geführt, dass die Durchsetzung von Massnahmen, auch im Rahmen der Reformprozesse, verzögert oder sogar verhindert werden und somit auch ordnungspolitische Auswirkungen nach sich ziehen können. Die These dieses Beitrages ist, dass der Liberalisierungskurs und das Strukturanpassungsprogramm der Weltbank - zumindest temporär - einige sozio-kulturelle Konflikte verschärfen können. Hierdurch entstehen wiederum Gefährungspotentiale, die den Verlauf des Transformationsprozesses beeinträchtigen.
Language
German
HSG Classification
contribution to scientific community
Refereed
No
Subject(s)
Eprints ID
17306