Russland, ratlos. Christian Kracht unterwegs im Osten
Journal
Neue Zürcher Zeitung NZZ
ISSN
0376-6829
Type
newspaper article
Date Issued
2002-11-19
Author(s)
Abstract (De)
Der schweizerisch-deutsche Trend- und Kultautor Christian Kracht macht auch in Russland Furore. Gerade eben hat er eine ausgedehnte Lesereise absolviert, stiess aber mit seinen performativen Auftritten - soweit die Presse darüber berichtet hat - bei Publikum und Kritik auf wenig Gegenliebe. Nachdem im vergangenen Jahr Krachts Erstlingsroman "Faserland" in russischer Übersetzung erschienen ist, liegt nun bei der renommierten Moskauer Edition Ad Marginem auch das grosse Erzählwerk "1979" vor. Die bisherigen Rezensionen sind alles andere als erhebend.
Mit einem höhnischen Verriss hat sich gerade eben Warwara Smurowa in der russischen Literaturzeitung "Ex Libris" zu Wort gemeldet. Die engagierte Kritikerin hält Krachts Texte, die in Moskau als "Manifest einer ganzen Generation" lanciert wurden, für ein ganz und gar "langweiliges, leeres Geschwätz", das auch durch allerlei "Allusionen auf Dante, Bosch, den Ring des Nibelungen und andere kulturologische Brands" nicht besser werde. Zwar habe Kracht mit "Faserland" und "1979" zwei "leicht und angenehm zu interpretierende Bücher" geschrieben, die aber auch leicht zu missdeuten und wohl am adäquatesten von Leni Riefenstahl zu illustrieren wären. "Bei <Faserland> gab es für den Leser noch die Versuchung, sich mit dem Helden zu identifizieren. Mit dem Helden von <1979> ist überhaupt nichts anzufangen", stellt Warwara Smurowa fest: "Man kann ihn weder bedauern noch sich vor ihm fürchten oder gar sich mit ihm identifizieren. Was also ist inzwischen geschehen? Nichts."
Mit einem höhnischen Verriss hat sich gerade eben Warwara Smurowa in der russischen Literaturzeitung "Ex Libris" zu Wort gemeldet. Die engagierte Kritikerin hält Krachts Texte, die in Moskau als "Manifest einer ganzen Generation" lanciert wurden, für ein ganz und gar "langweiliges, leeres Geschwätz", das auch durch allerlei "Allusionen auf Dante, Bosch, den Ring des Nibelungen und andere kulturologische Brands" nicht besser werde. Zwar habe Kracht mit "Faserland" und "1979" zwei "leicht und angenehm zu interpretierende Bücher" geschrieben, die aber auch leicht zu missdeuten und wohl am adäquatesten von Leni Riefenstahl zu illustrieren wären. "Bei <Faserland> gab es für den Leser noch die Versuchung, sich mit dem Helden zu identifizieren. Mit dem Helden von <1979> ist überhaupt nichts anzufangen", stellt Warwara Smurowa fest: "Man kann ihn weder bedauern noch sich vor ihm fürchten oder gar sich mit ihm identifizieren. Was also ist inzwischen geschehen? Nichts."
Language
German
HSG Classification
not classified
Refereed
No
Publisher
Neue Zürcher Zeitung
Publisher place
Zürich
Volume
223
Number
269
Start page
58
Subject(s)
Division(s)
Eprints ID
4793