Perspektiven des schweizerischen Sozialstaates
Type
conference speech
Date Issued
2000-11-06
Author(s)
Abstract (De)
Die Kernfrage lautet: wie bewältigen wir in den kommenden 50 Jahren die Probleme, die wegen der demographischen Entwicklung auf uns zukom-men? Die Frage kann man eher defensiv-pessimistisch oder eher offen-siv-optimistisch beantworten. Defensiv, indem man nur die höheren Kos-ten sieht, welche die zunehmende Zahl älterer Menschen, die länger le-ben und erst noch höhere Ansprüche haben, verursachen. Die älteren Menschen werden bei diesem Ansatz eher als „Last“ gesehen, die es ge-sellschaftlich zu tragen gilt.
Geht man die Frage eher offensiv an, so heisst die nächste Frage: Wie organisieren wir Wirtschaft und Gesellschaft mit einem höheren Anteil äl-terer Menschen dergestalt, dass sie leistungsfähig und wettbewerbsfähig bleibt? Die Frage stellt sich, welche Rolle den älteren Menschen, insbe-sondere den „jungen Alten“, in einer Gesellschaft und Wirtschaft lang le-bender Menschen zukommt. Es liegt auf der Hand, dass das Potential der älteren Menschen besser genutzt werden muss. Dabei geht es nicht da-rum, ältere Menschen zu Leistungen zu zwingen, sondern vielmehr um die Schaffung von Anreizen. Die Wirtschaft wird umgestaltet werden müssen in dem Sinne, dass die älteren Arbeitnehmer insbesondere dort eingesetzt werden, wo ihre Grenzproduktivität gleich hoch oder sogar höher ist als jene der jüngeren Arbeitnehmer.
Wir brauchen im Jahr 2030 nicht allein einen soliden Kapitalstock und riesige Vermögenserträge. Wir brauchen auf der realwirtschaftlichen Sei-te auch Erwerbstätige, welche die nachgefragten Güter produzieren und Dienstleistungen erbringen. Die beste Altersvorsorge ist deshalb, für eine nachhaltig leistungs- und wettbewerbsfähige Wirtschaft zu sorgen, in der auch ältere Menschen ihren Platz haben. Zu einer solch umfassenden Vorsorgepolitik gehören auch nationale und internationale Solidarität und Engagement für den Frieden, denn wenn es den Nächsten auch gut geht, ist dies die beste Voraussetzung für nationale und internationale Stabilität und demzufolge für kontinuierliche Erträge unserer beträchtlichen Vor-sorgekapitalien.
Wenn wir Stabilität, Wachstum und Frieden haben, sind die demographi-schen Probleme gut lösbar. Die Erwerbstätigen könnten in diesem Fall sogar alleine die Finanzierung des Sozialstaates tragen und gleichzeitig selbst Einkommensverbesserungen erzielen. Je mehr politische und wirt-schaftliche Turbulenzen eintreten werden, desto stärker werden wir auf die Ressourcen der älteren Menschen angewiesen sein, sowohl auf der Leistungs- wie der Finanzierungsseite. Es wäre schon viel erreicht, wenn wir einen politischen Konsens über diese Optionen samt der dazu erfor-derlichen Massnahmen erreichen könnten.
Die humanen, ökonomischen und finanziellen Ressourcen zur Meiste-rung der demographischen Herausforderung sind in der Schweiz vor-handen. Es wird in den kommenden zehn Jahren darum gehen, die men-talen und arbeitsmarktpolitischen Voraussetzungen zu schaffen! Wenn dies gelingt, können wir mit Zuversicht jener Zeit entgegensehen, in der die „Babyboomer“ zu aktiven Rentnerinnen und Rentnern werden.
Geht man die Frage eher offensiv an, so heisst die nächste Frage: Wie organisieren wir Wirtschaft und Gesellschaft mit einem höheren Anteil äl-terer Menschen dergestalt, dass sie leistungsfähig und wettbewerbsfähig bleibt? Die Frage stellt sich, welche Rolle den älteren Menschen, insbe-sondere den „jungen Alten“, in einer Gesellschaft und Wirtschaft lang le-bender Menschen zukommt. Es liegt auf der Hand, dass das Potential der älteren Menschen besser genutzt werden muss. Dabei geht es nicht da-rum, ältere Menschen zu Leistungen zu zwingen, sondern vielmehr um die Schaffung von Anreizen. Die Wirtschaft wird umgestaltet werden müssen in dem Sinne, dass die älteren Arbeitnehmer insbesondere dort eingesetzt werden, wo ihre Grenzproduktivität gleich hoch oder sogar höher ist als jene der jüngeren Arbeitnehmer.
Wir brauchen im Jahr 2030 nicht allein einen soliden Kapitalstock und riesige Vermögenserträge. Wir brauchen auf der realwirtschaftlichen Sei-te auch Erwerbstätige, welche die nachgefragten Güter produzieren und Dienstleistungen erbringen. Die beste Altersvorsorge ist deshalb, für eine nachhaltig leistungs- und wettbewerbsfähige Wirtschaft zu sorgen, in der auch ältere Menschen ihren Platz haben. Zu einer solch umfassenden Vorsorgepolitik gehören auch nationale und internationale Solidarität und Engagement für den Frieden, denn wenn es den Nächsten auch gut geht, ist dies die beste Voraussetzung für nationale und internationale Stabilität und demzufolge für kontinuierliche Erträge unserer beträchtlichen Vor-sorgekapitalien.
Wenn wir Stabilität, Wachstum und Frieden haben, sind die demographi-schen Probleme gut lösbar. Die Erwerbstätigen könnten in diesem Fall sogar alleine die Finanzierung des Sozialstaates tragen und gleichzeitig selbst Einkommensverbesserungen erzielen. Je mehr politische und wirt-schaftliche Turbulenzen eintreten werden, desto stärker werden wir auf die Ressourcen der älteren Menschen angewiesen sein, sowohl auf der Leistungs- wie der Finanzierungsseite. Es wäre schon viel erreicht, wenn wir einen politischen Konsens über diese Optionen samt der dazu erfor-derlichen Massnahmen erreichen könnten.
Die humanen, ökonomischen und finanziellen Ressourcen zur Meiste-rung der demographischen Herausforderung sind in der Schweiz vor-handen. Es wird in den kommenden zehn Jahren darum gehen, die men-talen und arbeitsmarktpolitischen Voraussetzungen zu schaffen! Wenn dies gelingt, können wir mit Zuversicht jener Zeit entgegensehen, in der die „Babyboomer“ zu aktiven Rentnerinnen und Rentnern werden.
Language
German
HSG Classification
contribution to practical use / society
HSG Profile Area
SEPS - Global Democratic Governance
Publisher
IHK
Publisher place
St. Gallen
Pages
27
Event Title
IHK Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell
Event Location
St. Gallen
Subject(s)
Division(s)
Eprints ID
251489
File(s)![Thumbnail Image]()
open.access
Name
Silvano Moeckli Perspektiven Sozialstaat 2000.pdf
Size
3.32 MB
Format
Adobe PDF
Checksum (MD5)
192edce82236fe025e95964dd51233e4