Peter Urban - Ein minuziöser Spracharbeiter
Journal
Neue Zürcher Zeitung NZZ
ISSN
0376-6829
Type
newspaper article
Date Issued
2000-02-01
Author(s)
Abstract (De)
Peter Urban gehört zu den wichtigsten Vermittlern der Literaturen Osteuropas im deutschsprachigen Raum. Sein besonderes Interesse gilt Russland, in den sechziger und siebziger Jahren sind aber auch Übersetzungen aus der serbischen und der tschechischen Literatur erschienen. Unlängst hat er in Zürich seine Neuübersetzung von Puschkins Romanprosa vorgestellt.
Er ist ein Übersetzer, der sein anspruchsvolles Metier mit einem seltenen Feu sacré betreibt: Peter Urbans minuziöse Spracharbeit konzentriert sich ganz auf das Literarische. Wichtig ist ihm nicht in erster Linie der Inhalt eines Werks, sondern die künstlerische Faktur, die er sorgsam ins Deutsche zu transponieren versucht. Auf vorbildliche Weise gelungen ist ihm dies mit seiner deutschen Tschechow-Ausgabe, die neue Massstäbe gesetzt hat. Wenn auf deutschen Bühnen Tschechow gespielt wird, so ist es Urbans Tschechow.
Rechtzeitig zu Puschkins 200."Geburtstag, der in Deutschland unter den allgemeinen Goethe-Feiern fast unterzugehen drohte, liegt nun aus Urbans Feder auch das erzählerische Werk des russischen Nationaldichters in einer sorgfältigen Neuübersetzung vor. "Den inneren Zusammenhang zwischen Puschkin und Tschechow habe ich erst während der Arbeit an Puschkins Texten bemerkt", sagt Urban und verweist auf die programmatische Forderung des 22jährigen Puschkin nach "Genauigkeit und Kürze" in der russischen Prosa. Ebendiese Klarheit der Gedankenführung, die Präzision des Ausdrucks versucht er in seinen Übersetzungen zu bewahren. Das klingt selbstverständlich; unter Übersetzern war jedoch lange Zeit die Unart verbreitet, den Autoren stilistisch am Zeug herumzuflicken. So griff man bei Wortwiederholungen zum Wörterbuch und setzte im Deutschen verschiedene Synonyme ein. Gerade Puschkin erzielt aber mit genau kalkulierten Worthäufungen einen künstlerischen Effekt, der in traditionellen Übersetzungen oft einer falsch verstandenen stilistischen Flüssigkeit geopfert wird. Ein anderes Problem liegt in der fatalen Tendenz, Metaphern aufzulösen. So liest man in einer älteren Puschkin-Übersetzung von Menschen in Wintermänteln auf einer Eingangstreppe, während im Original nur die Rede von Pelzen und Mantillen ist, die an einem Portier vorüberblinken. "Der Puschkinsche Satz ist viel moderner als das, was die Übersetzer daraus gemacht haben. Ich versuche, die ursprüngliche Klarheit dieser Prosa wieder hervorzuholen."
Er ist ein Übersetzer, der sein anspruchsvolles Metier mit einem seltenen Feu sacré betreibt: Peter Urbans minuziöse Spracharbeit konzentriert sich ganz auf das Literarische. Wichtig ist ihm nicht in erster Linie der Inhalt eines Werks, sondern die künstlerische Faktur, die er sorgsam ins Deutsche zu transponieren versucht. Auf vorbildliche Weise gelungen ist ihm dies mit seiner deutschen Tschechow-Ausgabe, die neue Massstäbe gesetzt hat. Wenn auf deutschen Bühnen Tschechow gespielt wird, so ist es Urbans Tschechow.
Rechtzeitig zu Puschkins 200."Geburtstag, der in Deutschland unter den allgemeinen Goethe-Feiern fast unterzugehen drohte, liegt nun aus Urbans Feder auch das erzählerische Werk des russischen Nationaldichters in einer sorgfältigen Neuübersetzung vor. "Den inneren Zusammenhang zwischen Puschkin und Tschechow habe ich erst während der Arbeit an Puschkins Texten bemerkt", sagt Urban und verweist auf die programmatische Forderung des 22jährigen Puschkin nach "Genauigkeit und Kürze" in der russischen Prosa. Ebendiese Klarheit der Gedankenführung, die Präzision des Ausdrucks versucht er in seinen Übersetzungen zu bewahren. Das klingt selbstverständlich; unter Übersetzern war jedoch lange Zeit die Unart verbreitet, den Autoren stilistisch am Zeug herumzuflicken. So griff man bei Wortwiederholungen zum Wörterbuch und setzte im Deutschen verschiedene Synonyme ein. Gerade Puschkin erzielt aber mit genau kalkulierten Worthäufungen einen künstlerischen Effekt, der in traditionellen Übersetzungen oft einer falsch verstandenen stilistischen Flüssigkeit geopfert wird. Ein anderes Problem liegt in der fatalen Tendenz, Metaphern aufzulösen. So liest man in einer älteren Puschkin-Übersetzung von Menschen in Wintermänteln auf einer Eingangstreppe, während im Original nur die Rede von Pelzen und Mantillen ist, die an einem Portier vorüberblinken. "Der Puschkinsche Satz ist viel moderner als das, was die Übersetzer daraus gemacht haben. Ich versuche, die ursprüngliche Klarheit dieser Prosa wieder hervorzuholen."
Language
German
HSG Classification
contribution to practical use / society
Refereed
No
Publisher
Neue Zürcher Zeitung
Publisher place
Zürich
Volume
221
Number
26
Start page
42
Subject(s)
Eprints ID
36658
File(s)![Thumbnail Image]()
open.access
Name
Schmid_2000_NZZ_Urban.pdf
Size
14.05 KB
Format
Adobe PDF
Checksum (MD5)
a2940421b748075f96ab8182db2509b9