"Adelig und edel sind zweierlei" : Die Edelleute und die Liebe in Mozarts "La finta giardiniera"
Journal
Programmheft Theater St. Gallen (Spielzeit 2012/2013)
Type
newspaper article
Date Issued
2013
Author(s)
Abstract (De)
Die adligen Herren in Mozarts Opern verkörpern im wahrsten Sinne des Wortes auf herrische Art und Weise
gesellschaftliche, ökonomische, politische Macht, die sie egoistisch und skrupellos als soziales und emotionales
Druckmittel einsetzen. Sie wollen gegenüber niederen Standesvertretern die Oberhand gewinnen, das Denken
und Handeln anderer Personen bestimmen, ohne sich um deren Willen zu scheren. Sie regeln Konflikte aufgrund
der bestehenden Machtverteilung rücksichtslos zu ihren Gunsten, indem sie aus der hierarchischen Unterordnung
anderer deren individuelle Unterwerfung und persönliche Abhängigkeit durchsetzen und Widerstand
sowie Ungehorsam bestrafen. Die Maxime des Ancien Régime «noblesse oblige» bedeutet für die Aristokraten
in Mozarts Opern keine stete Verpflichtung mehr zu einem persönlichen Wertekodex, sondern ist nur
noch dünkelhafte und zynische Anmassung. Zumal wenn es um die Liebe geht, pochen «Edelleute» rücksichtslos
auf ihre Vorrechte, erheben sich selbstherrlich und unbeherrscht über andere, leben gewissenlos ihre Leidenschaften
aus, frönen skrupellos ihren Lastern. Das deutsche Sprichwort «Adelig und edel sind zweierlei»
bringt jenen Widerspruch zwischen aristokratischem Hochmut und moralischer Haltung vielsagend auf seinen
redensartlichen Begriff, der im vorliegenden Fall besagt, dass in Mozarts La finta giardiniera bei den adligen
Protagonisten Herkunft und Charakter nicht Hand in Hand gehen.
gesellschaftliche, ökonomische, politische Macht, die sie egoistisch und skrupellos als soziales und emotionales
Druckmittel einsetzen. Sie wollen gegenüber niederen Standesvertretern die Oberhand gewinnen, das Denken
und Handeln anderer Personen bestimmen, ohne sich um deren Willen zu scheren. Sie regeln Konflikte aufgrund
der bestehenden Machtverteilung rücksichtslos zu ihren Gunsten, indem sie aus der hierarchischen Unterordnung
anderer deren individuelle Unterwerfung und persönliche Abhängigkeit durchsetzen und Widerstand
sowie Ungehorsam bestrafen. Die Maxime des Ancien Régime «noblesse oblige» bedeutet für die Aristokraten
in Mozarts Opern keine stete Verpflichtung mehr zu einem persönlichen Wertekodex, sondern ist nur
noch dünkelhafte und zynische Anmassung. Zumal wenn es um die Liebe geht, pochen «Edelleute» rücksichtslos
auf ihre Vorrechte, erheben sich selbstherrlich und unbeherrscht über andere, leben gewissenlos ihre Leidenschaften
aus, frönen skrupellos ihren Lastern. Das deutsche Sprichwort «Adelig und edel sind zweierlei»
bringt jenen Widerspruch zwischen aristokratischem Hochmut und moralischer Haltung vielsagend auf seinen
redensartlichen Begriff, der im vorliegenden Fall besagt, dass in Mozarts La finta giardiniera bei den adligen
Protagonisten Herkunft und Charakter nicht Hand in Hand gehen.
Language
German
HSG Classification
contribution to practical use / society
Refereed
No
Publisher
Theater St. Gallen
Publisher place
St. Gallen
Number
-
Start page
3
Subject(s)
Division(s)
Eprints ID
221171